Gesetz zur Aufhebung
nationalsozialistischer Unrechtsurteile in
der Strafrechtspflege (NS-AufhG)
NS-AufhG
vom 25.08.1998
"Gesetz zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile in der Strafrechtspflege
vom 25. August 1998 (BGBl. I S. 2501), das durch das Gesetz vom 23. Juli 2002 (BGBl. I
S. 2714) geaendert worden ist"
Stand: Geaendert durch G v. 23.7.2002 I 2714
Fussnote
Textnachweis ab: 1.9.1998
Das G wurde als Art. 1 G v. 25.8.1998 I 2501 (NS/SterilEntschAufhG) vom Bundestag mit
Zustimmung des Bundesrates beschlossen. Es ist gem. Art. 3 dieses G am 1.9.1998 in
Kraft getreten.
§ 1
Durch dieses Gesetz werden verurteilende strafgerichtliche Entscheidungen, die unter
Verstoss gegen elementare Gedanken der Gerechtigkeit nach dem 30. Januar 1933 zur
Durchsetzung oder Aufrechterhaltung des nationalsozialistischen Unrechtsregimes aus
politischen, militaerischen, rassischen, religioesen oder weltanschaulichen Gruenden
ergangen sind, aufgehoben. Die den Entscheidungen zugrunde liegenden Verfahren werden
eingestellt.
§ 2
Entscheidungen im Sinne des § 1 sind insbesondere
1. Entscheidungen des Volksgerichtshofes,
2. Entscheidungen der aufgrund der Verordnung ueber die Einrichtung von Standgerichten
vom 15. Februar 1945 (RGBl. I S. 30) gebildeten Standgerichte,
3. Entscheidungen, die auf den in der Anlage genannten gesetzlichen Vorschriften
beruhen.
§ 3
(1) Ist eine Entscheidung auf die Verletzung mehrerer Strafvorschriften gestuetzt und
liegen die Voraussetzungen des § 1 Satz 1, auch in Verbindung mit § 2, nur hinsichtlich
eines Teiles der Entscheidung vor, so wird die Entscheidung insgesamt aufgehoben,
sofern der Teil der Entscheidung, der die Voraussetzung des § 1 Satz 1, auch in
Verbindung mit § 2, erfuellt, nicht von untergeordneter Bedeutung ist.
(2) Erscheint nach Lage des Falles zweifelhaft, ob die Voraussetzungen des Absatzes 1
vorliegen, so ist die dem Taeter guenstigere Auslegung zugrunde zu legen.
§ 4
(1) Ist die Entscheidung in Faellen des § 3 nicht vollstaendig aufgehoben, so wird auf
Antrag der Teil der Entscheidung aufgehoben, fuer den die Voraussetzungen des § 1 Satz
1, auch in Verbindung mit § 2, vorliegen.
(2) Ueber den Antrag entscheidet das Landgericht durch unanfechtbaren Beschluss.
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§ 5
Weitergehende Vorschriften, die zur Wiedergutmachung oder Beseitigung
nationalsozialistischen Unrechts in der Strafrechtspflege erlassen wurden, bleiben
unberuehrt.
§ 6
(1) Auf Antrag stellt die Staatsanwaltschaft fest, ob ein Urteil aufgehoben ist;
hierueber erteilt sie eine Bescheinigung. Antragsberechtigt sind der Verurteilte, nach
seinem Tode seine Verwandten und Verschwaegerten gerader Linie, seine Geschwister,
der Ehegatte und der Verlobte. Sind alle Antragsberechtigten verstorben oder ist ihr
Aufenthalt unbekannt, so hat die Staatsanwaltschaft die Feststellung von Amts wegen zu
treffen, wenn dafuer ein berechtigtes Interesse dargetan wird.
(2) Zustaendig ist die Staatsanwaltschaft, die das Verfahren eingeleitet hat, das der in
§ 1 genannten Entscheidung vorausgegangen ist. Wird am Sitz dieser Staatsanwaltschaft
keine deutsche Gerichtsbarkeit ausgeuebt oder laesst sich die Staatsanwaltschaft
nicht bestimmen, so ist die Staatsanwaltschaft zustaendig, in deren Bezirk der
Betroffene zum Zeitpunkt der Tatbegehung seinen Wohnsitz hatte. Wird auch am Sitz
der Staatsanwaltschaft keine deutsche Gerichtsbarkeit ausgeuebt oder laesst sich diese
Staatsanwaltschaft aus anderen Gruenden nicht bestimmen, so wird die zustaendige
Staatsanwaltschaft durch den Bundesgerichtshof bestimmt. Die Staatsanwaltschaft teilt
dem Bundeszentralregister die Feststellung der Urteilsaufhebung mit.
(3) Absatz 1 Satz 2 und 3, Absatz 2 gelten fuer Entscheidungen nach § 4 sinngemaess.
§ 7
Die Aufhebung des Urteils umfasst auch alle Nebenstrafen und Nebenfolgen.
§ 8
Eintragungen im Bundeszentralregister ueber Urteile, deren Aufhebung gemaess § 6
festgestellt worden ist, sind zu tilgen.
Anlage (zu Artikel 1 § 2 Nr. 3)
1. Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich vom 24. Maerz 1933 (RGBl. I S. 141)
2. Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 (RGBl. I S.
175)
3. Gesetz zur Aenderung von Vorschriften des Strafrechts und des Strafverfahrens vom
24. April 1934 (RGBl. I S. 341)
4. Gesetz zum Schutz der nationalen Symbole vom 19. Mai 1933 (RGBl. I S. 285)
5. Gesetz gegen die Neubildung von Parteien vom 14. Juli 1933 (RGBl. I S. 479)
6. Gesetz ueber Volksabstimmung vom 14. Juli 1933 (RGBl. I S. 479)
7. Gesetz zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat vom 1. Dezember 1933 (RGBl.
I S. 1016)
8. Gesetz gegen heimtueckische Angriffe auf Staat und Partei und zum Schutz der
Parteiuniformen vom 20. Dezember 1934 (RGBl. I S. 1269)
9. Reichsflaggengesetz vom 15. September 1935 (RGBl. I S. 1145)
10. Gesetz zum Schutze des Deutschen Blutes und der Deutschen Ehre vom 15. September
1935 (RGBl. I S. 1146)
11. Reichsbuergergesetz vom 15. September 1935 (RGBl. I S. 1146)
12. Preussisches Gesetz ueber die Geheime Staatspolizei vom 10. Februar 1936 (G. S. 21)
13. Gesetz ueber die Hitlerjugend vom 1. Dezember 1936 (RGBl. I S. 993)
14. Verordnung gegen die Unterstuetzung der Tarnung juedischer Gewerbebetriebe vom 22.
April 1938 (RGBl. I S. 404)
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15. Verordnung ueber die Anmeldung des Vermoegens von Juden vom 26. April 1938 (RGBl. I
S. 414)
16. Gesetz zur Aenderung der Gewerbeordnung fuer das Deutsche Reich vom 6. Juli 1938
(RGBl. I S. 823)
17. Zweite Verordnung zur Durchfuehrung des Gesetzes ueber die Aenderung von
Familiennamen und Vornamen vom 17. August 1938 (RGBl. I S. 1044)
18. Verordnung ueber Reisepaesse von Juden vom 5. Oktober 1938 (RGBl. I S. 1342)
19. Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben vom 12.
November 1938 (RGBl. I S. 1580)
20. Polizeiverordnung ueber das Auftreten der Juden in der Oeffentlichkeit vom 28.
November 1938 (RGBl. I S. 1676)
21. Verordnung ueber den Nachweis deutschbluetiger Abstammung vom 1. August 1940 (RGBl.
I S. 1063)
22. Polizeiverordnung ueber die Kennzeichnung der Juden vom 1. September 1941 (RGBl. I
S. 547)
23. Verordnung ueber die Beschaeftigung von Juden vom 3. Oktober 1941 (RGBl. I S. 675)
24. Erlass des Fuehrers ueber die Rechtsstellung der NSDAP vom 12. Dezember 1942 (RGBl.
I S. 733)
25. Polizeiverordnung ueber die Kenntlichmachung der im Reich befindlichen Ostarbeiter
und -arbeiterinnen vom 19. Juni 1944 (RGBl. I S. 147)
26. Folgende Vorschriften des Strafgesetzbuches fuer das Deutsche Reich vom 15. Mai
1871 in seiner am 30. Januar 1946 gueltigen Fassung: §§ 2, 9, 10, 16 Abs. 3, § 42a
Nr. 5, § 42k, 80 bis 94 einschliesslich, § 102, 103, 112, 134a, 134b, 140, 140a,
140b, 141, 141a, 142, 143, 143a, 175, 175a Nr. 4 in der Fassung des Gesetzes zur
Aenderung des Strafgesetzbuchs vom 28. Juni 1935 (RGBl. I S. 839), § 189 Abs. 3, §
210a, 226b, 291, 353a, 370 Nr. 3
26a. §§ 62 bis 65, 67, 69, 71 bis 73, 77, 78, 80 bis 85, 87, 89, 91, 92, 94 bis
97, 99 bis 104, 106 bis 108, 110 bis 112, 139, 141, 144, 147, 147a, 150 des
Militaerstrafgesetzbuches in den Fassungen der Gesetze vom 16. Juni 1926 (RGBl. I
S. 275), 16. Juli 1935 (RGBl. I S. 1021) und 10. Oktober 1940 (RGBl. I S. 1347)
27. Gesetz ueber Verhaengung und Vollzug der Todesstrafe vom 29. Maerz 1933 (RGBl. I S.
151)
28. Gesetz zur Gewaehrleistung des Rechtsfriedens vom 13. Oktober 1933 (RGBl. I S.
723)
29. Gesetz ueber Massnahmen der Staatsnotwehr vom 3. Juli 1934 (RGBl. I S. 529)
30. Verordnung ueber das Sonderstrafrecht im Krieg und bei besonderem Einsatz
(Kriegssonderstrafrechtsverordnung) vom 17. August 1938 (RGBl. 1939 I S. 1455)
31. Verordnung ueber ausserordentliche Rundfunkmassnahmen vom 1. September 1939 (RGBl. I
S. 1683)
32. Verordnung gegen Volksschaedlinge vom 5. September 1939 (RGBl. I S. 1679)
33. Verordnung zur Ergaenzung der Strafvorschriften zum Schutz der Wehrkraft des
deutschen Volkes vom 25. November 1939 (RGBl. I S. 2319)
34. Verordnung zum Schutze des Reichsarbeitsdienstes vom 12. Maerz 1940 (RGBl. I S.
485)
35. Verordnung zum Schutze der Metallsammlung des deutschen Volkes vom 29. Maerz 1940
(RGBl. I S. 565)
36. Verordnung ueber die Strafrechtspflege gegen Polen und Juden in den
eingegliederten Ostgebieten vom 4. Dezember 1941 (RGBl. I S. 759)
37. Verordnung des Fuehrers zum Schutze der Sammlung von Wintersachen fuer die Front
vom 23. Dezember 1941 (RGBl. I S. 797)
38. Verordnung des Fuehrers zum Schutze der Ruestungswirtschaft vom 21. Maerz 1942
(RGBl. I S. 165)
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39. Verordnung ueber den Schutz der Waffenabzeichen der Wehrmacht vom 3. Mai 1942
(RGBl. I S. 277)
40. Verordnung zur Sicherung des totalen Kriegseinsatzes vom 25. August 1944 (RGBl. I
S. 184)
41. Polizeiverordnung ueber das Betreten von Seeschiffen in deutschen Haefen vom 16.
September 1944 (RGBl. I S. 223)
42. Verordnung zur Sicherung des Fronteinsatzes vom 26. Januar 1945 (RGBl. I S. 20)
43. § 1 des Gesetzes zur Aenderung des Reichsstrafgesetzbuches vom 4. September 1941
(RGBl. I S. 549)
44. Abschnitt IV der Verordnung des Reichspraesidenten zum Schutz des deutschen Volkes
vom 4. Februar 1933 (RGBl. I S. 35)
45. Verordnung des Reichsministers des Innern ueber das Verbot kommunistischer
Demonstrationen im Freistaat Sachsen vom 21. Februar 1933 (RGBl. I S. 78)
46. § 5 der Verordnung des Reichspraesidenten zum Schutz von Volk und Staat vom 28.
Februar 1933 (RGBl. I S. 83)
47. Verordnung des Reichspraesidenten gegen Verrat am Deutschen Volke und
hochverraeterischer Umtriebe vom 28. Februar 1933 (RGBl. I S. 85)
48. Verordnung des Reichspraesidenten zur Abwehr heimtueckischer Angriffe gegen die
Regierung der nationalen Erhebung vom 21. Maerz 1933 (RGBl. I S. 135)
49. Verordnung des Reichspraesidenten ueber die Gewaehrung von Straffreiheit vom 21.
Maerz 1933 (RGBl. I S. 134)
50. Gesetz zur Abwehr politischer Straftaten vom 4. April 1933 (RGBl. I S. 162)
51. § 1 des Gesetzes ueber die Gewaehrung von Straffreiheit vom 23. April 1936 (RGBl. I
S. 378)
52. Gesetz gegen Wirtschaftssabotage vom 1. Dezember 1936 (RGBl. I S. 999)
53. Gesetz zum Schutze von Bezeichnungen der Nationalsozialistischen Deutschen
Arbeiterpartei vom 7. April 1937 (RGBl. I S. 442)
54. Gesetz gegen Strassenraub mittels Autofallen vom 22. Juni 1938 (RGBl. I S. 651)
55. §§ 3 und 8 des Gesetzes zur Aenderung des Reichsstrafgesetzbuches vom 4. September
1941 (RGBl. I S. 549)
56. Polizeiverordnung ueber das Photographieren und sonstige Darstellen
verkehrswichtiger Anlagen vom 29. Maerz 1942 (RGBl. I S. 156)
57. Verordnung zur Erweiterung und Verschaerfung des strafrechtlichen Schutzes gegen
Amtsanmassung vom 9. April 1942 (RGBl. I S. 174)
58. Verordnung des Fuehrers zum Schutz der Sammlung von Kleidung und
Ausruestungsgegenstaenden fuer die Wehrmacht und den Deutschen Volkssturm vom 10.
Januar 1945 (RGBl. I S. 5)
59. Volkssturmstrafrechtsverordnung (VOSTVO) vom 24. Februar 1945 (RGBl. I S. 34)
einschliesslich aller zusaetzlichen Durchfuehrungsbestimmungen, Verordnungen und Erlasse.
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